Balkonkraftwerk

Balkonkraftwerk mit Speicher — lohnt sich der Aufpreis wirklich?

Es gibt viele Ertragsrechner für Balkonkraftwerke. Fast alle ignorieren den Punkt, an dem die Rechnung kippt: wie viel vom erzeugten Strom du überhaupt selbst verbrauchst. Genau das rechnen wir hier.

Ein Balkonkraftwerk mit 800 W Wechselrichterleistung erzeugt je nach Ausrichtung 600 bis 900 kWh im Jahr und spart damit 150 bis 270 €wenn du den Strom auch verbrauchst. Genau da liegt das Problem: Ohne Speicher wandern bei einem typischen Haushalt 40 bis 60 % ungenutzt ins Netz, ohne dass du dafür etwas bekommst. Ein Speicher hebt die Eigenverbrauchsquote auf 70 bis 85 %, kostet aber 850 bis 1.200 € extra. Ob sich das lohnt, hängt fast nur an deiner Grundlast.

Das musst du wissen

  • 800 W Wechselrichter und bis 2.000 Wp Module sind erlaubt. Mehr Module als Wechselrichterleistung ist sinnvoll, aber nicht unbegrenzt.
  • Anmeldung nur noch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur — rund 20 Minuten, kostenlos. Die Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt.
  • Überschuss wird ohne Vergütung eingespeist. Jede nicht selbst verbrauchte Kilowattstunde ist verschenkt.
  • Mieter dürfen grundsätzlich installieren; eine Zustimmung braucht es nur bei baulicher Veränderung.

Rechner

Balkonkraftwerk-Rechner mit Speicher

Rechnet Ertrag, tatsächlichen Eigenverbrauch und Amortisation — mit und ohne Speicher nebeneinander.

Wp · maximal 2.000

seit Solarpaket I sind 800 W erlaubt

kWh je Wp und Jahr

Watt · Kühlschrank, Router, Standby: 100–200

Balkonspeicher

€ · ohne Speicher 350–600, Speicher +850–1.200

Der Punkt, an dem die meisten Rechner schönen

Fast alle Balkonkraftwerk-Rechner zeigen dir den Ertrag und multiplizieren ihn direkt mit dem Strompreis. Das unterstellt, dass du 100 % selbst verbrauchst — was praktisch nie stimmt. Ein 800-Wp-System an einem Haushalt mit 150 W Grundlast verschenkt ohne Speicher rund die Hälfte seiner Erzeugung an das Netz, ohne einen Cent dafür zu bekommen. Deshalb ist die Eigenverbrauchsquote in unserem Rechner die wichtigste Zahl, nicht der Ertrag.

Was ein Balkonkraftwerk kostet

KonfigurationPreisTypischer ErtragAmortisation
800 Wp, 800 W, senkrecht350–500 €~520 kWh3–5 Jahre
1.600 Wp, 800 W, senkrecht500–750 €~900 kWh4–6 Jahre
2.000 Wp, 800 W, geneigt600–900 €~1.400 kWh4–6 Jahre
Aufpreis Speicher 2 kWh850–1.200 €+300–450 kWh nutzbar8–11 Jahre für den Speicher allein

Marktpreise Stand 6. August 2026. Ertrag bei mittleren deutschen Einstrahlungswerten.

Die ehrliche Antwort zum Speicher

Das Balkonkraftwerk selbst amortisiert sich in 3 bis 6 Jahren — das ist eine der besten Investitionen, die man mit 500 € machen kann. Der Speicher dagegen braucht für sich genommen 8 bis 11 Jahre. Er lohnt sich vor allem dann, wenn deine Grundlast niedrig ist und ohne ihn wirklich viel Strom verloren ginge. Bei hoher Grundlast — Homeoffice, Aquarium, Server — verbrauchst du ohnehin fast alles selbst, und der Speicher hat kaum noch etwas zu tun.

600 auf 800 Watt: lohnt der Wechsel?

Seit dem Solarpaket I sind 800 W Wechselrichterleistung erlaubt statt 600 W. Für eine neue Anlage ist die Sache klar: Nimm 800 W, der Aufpreis ist gering. Bei einer bestehenden 600-W-Anlage ist es eine andere Rechnung. Ein neuer Wechselrichter kostet 80 bis 150 €. Der Mehrertrag liegt bei realistisch 60 bis 120 kWh im Jahr, also 22 bis 45 € — und nur, wenn deine Module überhaupt genug Leistung liefern und du den Mehrertrag auch verbrauchst. Bei niedriger Grundlast landet der Zuwachs sonst direkt im Netz. Das rechnet sich also, aber es ist kein Selbstläufer.

Hardware

Beim Kauf zählen Wechselrichter und Halterung, nicht die Wattzahl auf dem Karton

Die Modulleistung ist der am leichtesten zu vergleichende und am wenigsten entscheidende Wert. Wichtiger sind ein Wechselrichter mit ordentlicher Garantie, eine zur Montagesituation passende Halterung und — falls Speicher — ob dieser sich am tatsächlichen Hausverbrauch orientieren kann.

Hier wird künftig ein konkretes Produkt empfohlen — mit Preis, Datum und den Nachteilen in derselben Box. Solange wir das nicht seriös können, steht hier nichts.

Häufige Fragen

Muss ich mein Balkonkraftwerk anmelden?

Ja, aber nur noch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Das dauert rund 20 Minuten, ist kostenlos und online möglich. Die früher zusätzlich nötige Anmeldung beim Netzbetreiber ist entfallen — er wird automatisch informiert.

Bekomme ich für eingespeisten Strom Geld?

In der Praxis nein. Theoretisch könntest du eine Vergütung beantragen, doch der Aufwand steht bei den kleinen Mengen in keinem Verhältnis. Rechne damit, dass jede nicht selbst verbrauchte Kilowattstunde verschenkt ist — genau deshalb ist die Eigenverbrauchsquote so entscheidend.

Brauche ich als Mieter die Erlaubnis des Vermieters?

Für die reine Installation nicht. Sobald du baulich eingreifst — bohren in die Fassade, Änderungen am Geländer — brauchst du die Zustimmung. Steckerfertige Systeme, die ohne Eingriff montiert werden, sind rechtlich deutlich einfacher. Informieren solltest du Vermieter oder Eigentümergemeinschaft in jedem Fall.

Lohnt sich ein Speicher für ein Balkonkraftwerk?

Nur bei niedriger Grundlast. Wenn du tagsüber kaum Strom verbrauchst und ohne Speicher die Hälfte des Ertrags ans Netz verschenkst, holt der Speicher viel zurück. Verbrauchst du ohnehin schon fast alles selbst, verlängert er nur die Amortisation. Für sich gerechnet braucht ein Balkonspeicher 8 bis 11 Jahre.

Was ist besser: mehr Module oder ein größerer Wechselrichter?

Mehr Module — bis etwa zum Doppelten der Wechselrichterleistung. Sie liefern morgens, abends und bei bedecktem Himmel zusätzlichen Ertrag, also genau dann, wenn ohnehin nicht abgeregelt wird. Über 2.000 Wp darfst du nicht gehen, und über etwa dem 2,5-Fachen der Wechselrichterleistung bringt jedes weitere Modul kaum noch etwas.

Brauche ich einen speziellen Stromzähler?

Alte Ferraris-Zähler mit Drehscheibe dürfen nicht rückwärts laufen. Der Netzbetreiber tauscht sie bei Anmeldung kostenlos gegen einen modernen Zweirichtungszähler. Du darfst dein Balkonkraftwerk in der Zwischenzeit bereits betreiben.

Größer denken

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Quellen: Bundesnetzagentur (Marktstammdatenregister, Solarpaket I) · Verbraucherzentrale · ADAC · Marktpreise aus öffentlich einsehbaren Händlerangeboten.
Strompreis der Berechnung: 37,2 ct/kWh (Ø Haushalt 2026).
Zuletzt geprüft: 6. August 2026.