Dynamische Stromtarife

Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif für dich — ehrlich gerechnet?

Die kurze Antwort vorweg: ohne Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher sparst du damit kaum etwas. Der Rechner zeigt dir, was bei deinem Profil realistisch herauskommt.

Ein dynamischer Stromtarif bringt einem normalen Haushalt ohne flexible Verbraucher typischerweise 50 bis 120 € im Jahr — nach Abzug der Grundgebühr. Das ist nett, aber kein Grund für Aufwand. Richtig interessant wird es erst mit E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher, weil du dann nennenswerte Mengen Strom in die günstigen Stunden schieben kannst. Und falls du noch in der Grundversorgung steckst: Der Wechsel dorthin bringt dir mehr als jede Tarifoptimierung.

Das musst du wissen

  • Seit 2025 muss jeder Anbieter einen dynamischen Tarif anbieten. Die Auswahl ist also da.
  • Du brauchst in der Regel ein intelligentes Messsystem. Manche Anbieter lösen das mit eigener Messtechnik.
  • Der Preis folgt der Börse stündlich — nach unten und nach oben. Es gibt keine Preisgarantie.
  • Grundversorgung 42,8 ct gegen günstigsten Wechseltarif 23,9 ct: Wer nie gewechselt hat, verschenkt rund 660 € im Jahr. Das ist der größere Hebel.

Rechner

Dynamisch oder fest — was passt zu dir?

Rechnet mit deinem Verbrauchsprofil statt mit einem Werbebeispiel. Alle Annahmen sind sichtbar und überschreibbar.

kWh pro Jahr

ct/kWh · Grundversorgung ~42,8 · guter Wechseltarif ~24

setzt eine typische verschiebbare Menge

kWh pro Jahr · sei ehrlich zu dir selbst

€ · Tibber 5,99 · tado° 4,58 · Ostrom 6,00

ct/kWh · günstige gegen mittlere Stunden

Die Anbieter im Überblick

Beim Vergleich zählen drei Dinge: die monatliche Grundgebühr, der Aufschlag auf den Börsenpreis und wie gut die App dir hilft, Verbrauch in günstige Stunden zu legen. Der dritte Punkt wird unterschätzt — ein dynamischer Tarif, den du nicht steuerst, ist nur ein Tarif mit Zusatzrisiko.

AnbieterGrundgebührAufschlagBesonderheit
Tibber5,99 €/Monat~2,5 ct/kWhbestes Ökosystem: App, Pulse-Messgerät, große Community
tado° Energy (ehem. aWATTar)4,58 €/Monattransparent auf Spotgünstigste Grundgebühr im Vergleich
Ostrom6,00 €/Monatkein Aufschlagreiner Spotpreis, dafür höhere Gebühr
Rabot Chargeerfolgsabhängig20 % der Ersparnisverdient nur, wenn du gegenüber der Grundversorgung sparst
Octopus Energyvariabel~2,5 ct/kWhbreites Angebot, auch feste Tarife
1Komma5°variabelvariabelvor allem im Paket mit eigener Hardware interessant

Marktübersicht Stand 6. August 2026. Konditionen ändern sich häufig — prüfe sie vor Abschluss beim Anbieter selbst.

Der wichtigste Satz auf dieser Seite

Wenn du keine Wärmepumpe, kein E-Auto und keinen Speicher hast, dann ist ein dynamischer Tarif für dich vor allem eins: interessant. Wirtschaftlich bleiben nach Grundgebühr meist 50 bis 120 € im Jahr übrig — bei gleichzeitig höherem Risiko, wenn die Börsenpreise anziehen. Wer diese Zahl nennt, verkauft weniger Verträge. Wir nennen sie trotzdem, weil du sonst mit falschen Erwartungen wechselst.

Der größere Hebel: raus aus der Grundversorgung

Bevor du über dynamisch gegen fest nachdenkst, lohnt eine viel einfachere Frage: Bist du überhaupt schon gewechselt? Wer nie den Anbieter gewechselt hat, landet automatisch in der Grundversorgung — und die ist mit Abstand das teuerste Produkt am Markt.

661 €

zahlt ein Haushalt mit 3.500 kWh in der Grundversorgung pro Jahr zu viel

42,8 ct/kWh gegenüber 23,9 ct/kWh · Differenz 18,9 ct/kWh · Stand 5.8.2026

Das ist rund sechsmal so viel, wie ein dynamischer Tarif einem durchschnittlichen Haushalt bringt — und es kostet dich einen Nachmittag. Erst wechseln, dann optimieren.

Anbieterwechsel

Welcher Tarif für dich der günstigste ist, hängt an deiner Postleitzahl

Netzentgelte und damit die Endpreise unterscheiden sich regional erheblich. Ein Vergleich lohnt sich deshalb immer mit der eigenen PLZ und dem eigenen Jahresverbrauch, nicht mit einem Bundesdurchschnitt.

Hier wird künftig ein Anbieter verlinkt. Solange wir kein Partnerprogramm haben, das wir guten Gewissens empfehlen können, steht hier keiner.

Wann ein dynamischer Tarif wirklich passt

  • E-Auto mit Wallbox. 2.000 bis 3.000 kWh im Jahr, die du fast vollständig nachts laden kannst — das ist der Standardfall, in dem sich der Wechsel klar rechnet.
  • Wärmepumpe mit Pufferspeicher. Der Puffer erlaubt es, die Wärme dann zu erzeugen, wenn Strom billig ist. Ohne Puffer ist der Spielraum deutlich kleiner.
  • Heimspeicher mit Netzladefunktion. Günstig laden, teuer entladen. Achtung: Nicht jeder Speicher darf das, und es verbraucht Zyklen.
  • Du hast ohnehin Freude an Automatisierung. Wer Verbrauch manuell steuern muss, verliert nach drei Monaten die Lust. Wer es automatisiert, nimmt den Vorteil dauerhaft mit.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Smart Meter für einen dynamischen Tarif?

In der Regel ja, weil stündlich abgerechnet wird. Einige Anbieter lösen das mit eigener Messtechnik am vorhandenen Zähler, zum Beispiel Tibber mit dem Pulse. Frag vor Abschluss konkret nach, ob dein Zähler ausreicht — das ist der häufigste Grund, warum ein Wechsel scheitert.

Kann der Strompreis auch negativ werden?

Der Börsenpreis ja, dein Endpreis in aller Regel nicht. Netzentgelte, Abgaben, Umlagen und Steuern kommen immer obendrauf und sind positiv. In Stunden mit negativem Börsenpreis zahlst du also sehr wenig, aber praktisch nie Geld zurück.

Wie hoch ist das Risiko, wenn die Preise steigen?

Real, und man sollte es nicht kleinreden. In einer Preiskrise zahlst du mit einem dynamischen Tarif sofort mit, während ein Festpreis dich für die Laufzeit schützt. Der Preis für diesen Schutz ist die Risikoprämie im Festtarif — das ist genau der Betrag, den du im ruhigen Markt sparst. Du tauschst Sicherheit gegen Ersparnis, in beide Richtungen.

Lohnt sich das mit einer Photovoltaikanlage?

Teilweise. Deine PV deckt schon die sonnigen Mittagsstunden ab, also genau die Zeit mit oft günstigen Börsenpreisen. Der Zusatznutzen entsteht eher morgens, abends und im Winter. In Kombination mit einem Speicher, den du auch aus dem Netz laden kannst, wird es deutlich interessanter.

Was ist der Unterschied zu einem variablen Tarif?

Ein variabler Tarif ändert sich alle paar Monate, wenn der Anbieter die Preise anpasst. Ein dynamischer Tarif ändert sich stündlich nach dem Börsenpreis des Folgetags. Nur beim dynamischen kannst du durch Verschieben aktiv sparen.

Kann ich den Tarif schnell wieder wechseln?

Ja, dynamische Tarife haben typischerweise kurze Kündigungsfristen von einem Monat und keine Mindestlaufzeit. Das ist ein echter Vorteil gegenüber Festpreisverträgen mit zwölf oder vierundzwanzig Monaten Bindung: Du kannst es ausprobieren und zurück, wenn es nicht passt.

Passt dazu

Mit Modul 3 addiert sich der Netzentgelt-Rabatt

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Quellen: Bundesnetzagentur · BDEW · strom-report (Grundversorgung gegen Wechseltarif, Auswertung vom 5.8.2026) · Verbraucherzentrale · Börsenpreise: EPEX SPOT Day-Ahead DE/LU.
Anbieterkonditionen laut öffentlichen Angaben der Anbieter, Stand 6. August 2026.
Zuletzt geprüft: 6. August 2026.